Live Review zu unserer Release-Party im Schlosskeller Windecken geschrieben von Thorsten Dieterle von FFM-Rock

Der alte Schlosskeller Windecken ist durch regelmäßige Live-Jams, kleinere Gigs und dank seiner urigen Weinkeller Atmosphäre immer ein Besuch wert. Die "Bühne" ist durch seine geschätzten zehn Zentimeter Höhe und gefühlten 1,50 Meter Breite zwar kein Spielplatz für bewegungsfreudige Hyperaktivisten, bedeutet im Gegenzug aber auch: direkt und "in your face". Dieser Samstagabend stand im Zeichen des sagenumwobenen RAT MONKEY, welcher über weite Strecken von Skull Island angetrampt kam, um den Anwesenden seine brandneue EP "Into The Fire" vorzustellen (faire 3 Euro, bzw. Eintritt plus CD für 8,- €) und den recht gut gefülltem Schlosskeller mit lauter und dreckiger Mucke das Fürchten- äh, Rocken zu lehren. Unterwegs gesellten sich ganz unerschrocken und mutig, noch die Alternative-Punk Band THE LIVING TOY als Support dazu, die Ohrenzeugen zufolge sogar berichtet haben sollen, dass der RAT MONKEY, dank seines suboptimalen Aussehens, sein Publikum nicht erschrecken, sondern doch eigentlich nur "spielen" wolle...wer's glaubt ;-).
Bis dahin muss sich das weitestgehend sitzende Publikum (ist halt ne Kneipe und kein Club mit Daddelfläche) allerdings noch mit Biertrinken, quatschen und vor der Türe rauchend die Zeit vertreiben. Kurz nach 21 Uhr entert dann zunächst das noch sehr junge Trio THE LIVING TOY die kleine wohnzimmerartige Bühne und weckt das Publikum zunächst mal mit einem wirklich gutgemeinten Lautstärke-Pegel. Sänger und Gitarrist Patrick, Bassist Johannes und Drumerin Jasmin aus Nidderau und Altenstadt legen in etwas mehr als 40 Minuten einen ordentlichen und technisch soliden Gig hin. Angesagt ist typischer Teenie-College-Westcoast Punkrock in der Schnittmenge irgendwo zwischen aktuellen GREEN DAY, BLINK 182 und SUM 41. Meist schnell taktend und auf dem Punkt gerockt, mit haufenweise melodischen Drei-Akkorde Geschrubbe, gibt es außerdem zwischendurch nette aber verhaltene Ansagen von Fronter Patrick Piechotta und eine energetisch kloppende Schlagzeugerin, welche die beiden Jungs zeitweise gehörig nach vorne drischt. Auch wenn das, sorry, "brav" wirkende Trio bereits einen Bandcontest gewonnen und im Schooljam Regiofinale stand, komme ich nicht umhin zu bemäkeln, dass die gebotenen Songs trotz des recht professionellen Songwritings leider nicht gerade innovativ geraten sind. Viele Riffs hat man so oder so ähnlich schon von anderen Punkrock Bands gehört. Wenn die Truppe mehr gewinnen will, muss sie klar eigenständiger werden. Außerdem könnte eine Spur mehr Rotz im Auftreten auch nicht schaden. Kurz vor 22 Uhr ist dann nach einem Instrumental-Song Schluss, die befürchtete Nachbarnschelte blieb trotz der Lautstärke aus und THE LIVING TOY gehen angefangen vom Sänger über den Basser bis hin zur hübschen Drumerin nacheinander von der Bühne.
Nach knapp 20 Minuten und einem lustig zusammengesampelten Intro betreten RAT MONKEY die Bühne. Die "Überraschung" gleich vorweg: der RAT MONKEY ist nicht mal ansatzweise so hässlich wie sein Ebenbild aus dem berühmten Splatterfilm von Peter Jackson, er spielt harten, klassischen Bluesrock und ist außerdem zu Dritt! Für alle Banausen, die jetzt immer noch keinen Blassen haben, wer oder was ein Rat Monkey ist, gilt: googlen, Film kaufen/leihen/rippen und seinen Eltern/sensibler Freundin/Oma zum Geburtstag schenken und gemeinsam anschauen!
Musikalisch gibt es neben den vier Eigengewächsen der neuen CD auch gleich eine ganze Latte an Rockklassikern, vornehmlich von AC/DC, Jimi Hendrix und BLACK SABBATH. Wem die Vorband zu "sauber" agierte, bekommt nun die volle Packung Dreck ins Gesicht geschleudert. Der singende Bassist Robber Rat (Ex-TOMORROW MAY FALL / DARK ILLUSIONS) zerreißt sich seine Stimmbänder gleich vom ersten Song "Naturally Stoned" an mit einer Mischung aus junger Brian Johnson meets Udo Dirkschneider- und das, obwohl der Hühne durch eine Grippe gebeutelt ist. Gitarrist Tommy Rat (Ex-HONESTLY YOURS / DARK ILLUSIONS) lässt seine SG maßgerecht braten und dominiert viele Songs mit stellenweise wirklich brillanten Soli, welche die Handschrift eines Angus Young als auch Hendrix trägt. Schlagzeugerin Mary Rat (ebenfalls Ex-DARK ILLUSIONS) sorgt für ein simples aber umso festeres Gerüst, auch wenn Sie im Laufe des Gigs einige holprige Rhythmuswackler nicht ganz ausschließen kann. Der Sound ist dreckig aber dabei dennoch transparent und gut ausbalanciert. Mit "Wishful Dream" folgt nicht nur eine coole Hardrock Nummer mit verspielter Gitarrenarbeit, sondern auch gleich einer von mehreren Stücken, bei dem Tommy die Gesangsarbeit für den grippal angeschlagenen Robber übernimmt. Hier muss man ehrlicherweise zugeben, dass sich der Gitarrist mit seiner schnodderigen, leicht näselnden Stimmlage zwar auf Platte noch ganz amtlich schlägt, live die ganze Sache aber deutlich schwieriger für ihn ist. Wer aber eine derart geschmackvolle Saiten-Performance hinlegt, braucht sich wegen einer etwas dünnen Stimme nicht zu verstecken. Das beweist der Herr auch gleich bei den zwei gecoverten Songs "If You Want Blood (You've Got It)" sowie "Little Wing" mit überschwänglichen Soli, traumhaft! Nun folgt eine kleine Überraschung für alle, denen die Bande bereits aus DARK ILLUSIONS Tagen bekannt ist: Mit Karol "Dave" Janus (BOURBON DREAMS/HEAVY FUEL) wird der ehemalige Tieftöner für drei Stücke auf die Bühne geholt. Robber übergibt sein Langholz an Dave und krächzt sich mit unmenschlicher Kraft durch "Seek And Destroy", "The Jack" und "TNT" und versucht dabei motivierend das insgesamt leider etwas hüftlahme Publikum vor die kleine Bühne zu locken, was ihm dann in Einzelfällen auch gelingt. Überhaupt: lobenswert, wie der Kerl immer wieder versucht, sein Publikum anzustacheln. Gut so, es geht hier schließlich um schweißtreibenden Rock and Roll ihr Penner! 
Nach dem kurzen Set gibt es gezwungenermaßen eine Pause, da das lädierte Handgelenk des Gitarristen sonst arge Probleme bereiten würde. Ist im Prinzip überhaupt kein Problem, leider verschwinden in den knapp zwanzig Minuten die Hälfte der Gäste, was wirklich schade ist. Die Verbliebenen können sich nämlich über eine weitere Portion authentischen Hardrocks erfreuen. Dieser zweite Set überzeugt mindestens mit zwei Highlights, die obendrein gleich von der Band selbst stammen: "Mission For God" ist ein einfacher aber ungemein treibender Hardrocker inklusive eines eingängigen Refrains, der sich auf Platte und vor allem live als echte Hymne erweist. Das trifft auch auf die bösartige, leicht doomige BLACK SABBATH Verbeugung "Burn In Hell" zu. Auch hier kann man den von Robber höchst aggressiv rausgerotzten Refrain sofort mitgrölen und dabei seine Faust vom hart-stampfenden Takt Mary Rats führen lassen, das es eine wahre Freude ist. Bitte UNBEDINGT mehr davon! Dazwischen wird noch ein "Hey Joe" mit fließenden Übergang zu "Purple Haze" gezockt und wieder heißt es: Gitarre=Geilomat. Mit "Burn In Hell" knallen RAT MONKEY gleich noch zwei passende Sabbath Classics ("War Pigs, "Into The Void") hinterher, sowie als Zugabe AC/DC's "Live Wire", bis dann endgültig der Vorhang fällt, beziehungsweise Robbers Stimmbänder vor dem Explodieren gerettet werden.
RAT MONKEY bedienen mit Ihrer Mucke keine Trends, sondern zelebrieren auf spürbar ehrliche und leidenschaftliche Weise den klassischen, bluesgetränkten Hardrock. Auch wenn die Band noch einige Auftritte hinter sich bringen muss, um noch vorhandene Strukturschwächen auszubügeln und das Zusammenspiel zu festigen, so ist es doch gerade auch für den Schreiber dieser Zeilen eine wahre Freude, neben all den aktuellen lokalen als auch nationalen (Underground)Bands ein Trio zu hören, welches den ursprünglichen Hardrock spielt. Denn eins steht doch fest: dieser Sound war und ist doch im Prinzip ohnehin die Grundlage für die ganzen modernen Metal- und Rock-Kombos da draußen. Verdammt gut zu wissen, dass das noch einige junge Bands wie RAT MONKEY nicht vergessen haben!

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CD Review zu "Into the fire" geschrieben von Thorsten Dieterle von FFM-Rock

RAT MONKEY aus Frankfurt (nicht zu verwechseln mit der Wuppertaler Psychobilly Kombo RAT MONKEYS!) sind ein Trio, welches aus ehemaligen Mitgliedern teils recht bekannter regionaler Bands wie die Metal-/Deathcoreler TOMORROW MAY FALL und den weitaus gediegeneren HONESTLY YOURS bestehen. Vor einigen Jahren lärmten Robber Rat (Bass, Gesang), Tommy Rat (Gitarre) und Schlagzeugerin Mary Rat als Jam-Band bereits unter dem Banner DARK ILLUSIONS zusammen, lösten sich aber 2006 wieder auf. Seit Ende 2009 findet sich die kleine Meute wieder zusammen, benennt sich nach dem "hübschen" Braindead Schmusetier RAT MONKEY und spielt nun dreckig-harten, basischen Bluesrock, der auch mal durch gewisse psychedelische und doomige Schlenker ergänzt wird. Der Opener "Mission For God" ist eine straighte Hardrock Dreckschleuder mit absolut eingängigen Mitgröl-Refrain und gleich zwei starken Gitarrensoli, die auf dieser Scheibe noch öfters an Koryphäen der Sechssaitigen wie Angus Young, Jimi Hendrix und etwas Ted Nugent erinnern. Robber malträtiert dabei seine Stimmbänder in bester Brian Johnson/Udo Dirkschneider Manier, ohne als billiger Abklatsch durchzugehen. Dass man für einen feinen Rauschzustand nicht unbedingt illegale Substanzen konsumieren muss, zeigt "Naturally Stoned": Der harte, fast metallische Break zu Beginn des Songs führt den Hörer auf die falsche Fährte und legt anschließend eine bis aufs wesentliche reduzierte Bluesfolge frei. Simpel groovende Strophen, Bottleneck-Slide-Solo und dann schwebt der Song plötzlich in chilligen, psychedelischen Sphären, bei der auch der Gesang plötzlich überraschend clean daherkommt, cool! Mit "Wishful Dream" folgt ein groovender Midtempo-Rocker, der hauptsächlich von der verspielten Gitarrenarbeit dominiert wird. Geschmackvolle bluesige Licks die dröhnen und fiepen. Den Gesang übernimmt Gitarrist Tommy auch gleich und kontrastiert den deibelnden Robber mit seiner fast eigenartig schnodderigen Phrasierung. "Burn In Hell" geht als gelungenes BLACK SABBATH Tribut durch. Bass und Schlagzeug grooven sich fest, die Gitarre legt sich laut und unflätig böse darüber. Der Gesang gerät passend zum Text ordentlich aggressiv und der geschmetterte Refrain funktioniert vor allem live prächtig. Beim langen Instrumental Part gibt es neben dem obligatorischen Gitarrensolo dann auch parallel ein paar Bass-Leads spendiert, was man bei solcher Musik ja auch nicht alle Tage hört. Into The Fire ist glücklicherweise roh und unverfälscht produziert und hat den nötigen Druck. RAT MONKEY spielen Hardrock für Leute, denen musikalische Trends am Arsch vorbei gehen und die archaischen Rock mit Leidenschaft hören. Obendrein ist das Trio dabei- trotz aller offenkundigen Paten wie beispielsweise AC/DC, frisch genug, ohne gleich als Kopie abgestraft zu werden. Daumen hoch!

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